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HÎNBÛN - Bildungs- und Beratungszentrum für Frauen und ihre Familien
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Neujahrsbräuche in Kurdistan

Einige Tage vor dem Newrozfest kommt die ganze Familie zusammen, um zu Hause Weizenkeimlinge auf einem Teller mit Wasser zum Keimen zu bringen. Zur selben Zeit werden auch Eier gefärbt. Ein Teil der Eier wird mit Zwiebelschalen gelb gefärbt, ein anderer Teil wird nach dem Kochen mit den Fingern rot angemalt. Dabei sind Streifen- und Punktmuster sehr beliebt. Zwei bis drei Tage lang werden die gefärbten Eier von den Kindern der Familie sorgfältig behütet.

Der letzte Mittwoch vor dem Newrozfest

 

Am letzten Mittwoch des alten Jahres gehen alle Familienmitglieder ins Freie auf die Wiese und nehmen Frühlingszwiebeln, Petersilie und andere grüne Kräuter mit, essen sie draußen und singen Fruchtbarkeitslieder. Die Geschenke der Erwachsenen werden gesammelt und verteilt. In einer anderen Gegend gehen alle Familien am letzten Mittwoch des alten Jahres auf das flache Dach ihres Hauses und zünden dort ein Feuer an. Alle Familienmitglieder springen über das Feuer, singen dabei Lieder und rufen dem Feuer zu: "Meine Blässe und meine Krankheit gebe ich dir, deine Röte, deine Wärme gibt du mir."

In einer anderen kurdischen Region wird am letzten Mittwoch vor Neujahr in jeder Wohnung und in jedem Haus mit großem Lärm Glas zerschlagen. Mit dem Lärm sollen die schlafenden Geister des Hauses geweckt werden. Dabei wird gesungen und gerufen: "Wir wissen, dass ihr Geister da seid, ihr sollt verschwinden und unsere Krankheiten, unsere Sorgen, unsere Streitigkeiten, Krieg und andere Übel mitnehmen." Danach müssen alle Menschen ihre Wohnungen verlassen und in den Garten oder auf eine Wiese gehen. Jedes Haus muss bis zum Anbruch der Dunkelheit leer bleiben, damit die geweckten Geister die Wohnungen verlassen und alles Schlechte mitnehmen können.

Während die Menschen im Freien zusammen sind, symbolisieren sie ihre Wünsche für das neue Jahr auf verschiedene Art und Weise. So legen beispielsweise diejenigen, die kein eigenes Haus besitzen, ihren Wunsch nach einem Haus in Form von Kieselsteinen unter einen Rosenstrauch. Andere Wünsche werden als Stoffstreifen an den Rosenstrauch gebunden.

Der 13. Tag nach Newroz

Der 13. Tag des neuen Jahres hat noch einmal eine besondere Bedeutung. Niemand darf zu Hause bleiben. Alle Familienmitglieder gehen nach draußen und machen Picknick an einer Wasserstelle. Auch Alte und Kranke werden mitgenommen. Das Wasser kann ein Bach, ein Fluss oder ein See sein. Die gekeimten Weizenkeimlinge, die einige Tage vor dem Newrozfest zum Keimen gebracht worden sind, werden in das Wasser gegeben. Dabei singen alle im Chor: "Unser Unglück, unsere Last, unsere Trauer, unser Streit soll mit dem Wasser davonfließen."

Danach nehmen alle Familienmitglieder, Alte und Junge, Männer und Frauen, jeweils 13 Steinchen in die Hand und werfen sie im Wechsel über die rechte und die linke Schulter ins Wasser. Während man in einigen Regionen die Steinchen hinter sich wirft und ihnen nicht mehr nachschaut, wird in anderen Gegenden Kurdistans auf das Wasser geschaut und der Weg der Steine verfolgt. Beim Werfen wird jedem Stein ein persönliches Problem zugeordnet, welches jeweils gleichzeitig mit den einzelnen Steinen ins Wasser geworfen wird und vom Wasser weggetragen werden soll. Während die Steinchen das Alte, das Schlechte und die Last symbolisieren, stehen die grünen Weizenkeime stellvertretend für das Erwachen der Natur, neue Gefühle und neues Leben.

NEWROZ - Das kurdische Neujahrsfest

In deutscher Sprache bedeutet NEWROZ "neuer Tag". Für die Kurden ist es das wichtigste Fest, weil sie mit ihm ihre nationale Zugehörigkeit und die Botschaft der Befreiung von Tyrannei und Unterdrückung demonstrieren.

An diesem Tag verjagt das Gute das Schlechte, die Freude die Trauer, das Leben das Sterben und die Wärme die Kälte. Am Vorabend des 21. März werden Feuer auf den Bergen angezündet, es wird gesungen und um das Feuer getanzt. Die Menschen feiern den ganzen Tag unter freiem Himmel. Das Neujahrsfest am 21. März symbolisiert den Beginn von Arbeit und Produktion. Zum Ursprung des NEWROZ-Festes existieren unterschiedliche Mythen. Hier die bekannteste Version: Vor vielen tausend Jahren gab es einen kurdischen Herrscher namens Dahak. Auf seinen Schultern trug er zwei Schlangen. Der grausame Dahak fütterte die Schlangen mit den Gehirnen junger Männer, da er befürchtete, dass die Schlangen sonst sein Gehirn fressen würden. Jeden Tag mussten zwei junge Männer des Volkes getötet werden, um Dahaks Schlangen zu füttern. Jeder hatte nun große Angst um die männlichen Nachkommen. Doch bald konnte das Volk diese Grausamkeiten Dahaks nicht mehr ertragen. Der Schmied Kawa rief das Volk zum Aufstand auf. Am 21. März marschierte das Volk unter seiner Führung mit brennenden Fackeln zum Schloss des Tyrannen, machte es dem Erdboden gleich und tötete ihn und seine Schlangen. Dieser Tag wurde von nun an NEWROZ genannt. Das NEWROZ-Fest hat für die im Exil lebenden kurdischen Familien eine sehr große Bedeutung und stellt einen kulturellen Höhepunkt im Jahr dar, an dem ihre Kultur und Gemeinschaft gepflegt wird. In der Nacht zum Neujahr, am 20. März, verkleiden sich zwei Frauen oder Mädchen als altes gebrechliches Ehepaar. Damit symbolisieren sie das vergehende Jahr. Sie tragen ihre Gebrechlichkeit theatralisch vor, stützen sich gegenseitig, sprechen mit zittriger Stimme und demonstrieren, dass sie bzw. das alte Jahr kurz vor ihrem Ende stehen.

So verkleidet, ziehen sie von Haus zu Haus. Sie erwecken das Mitleid der anderen und werden von den Bewohnern der Häuser mit Lebensmitteln beschenkt. Spaßeshalber wird das alte Paar, und damit das "alte Jahr", mit Wasser übergossen, um es zu vertreiben. Am Abend wird ein großes Mahl aus den gesammelten Lebensmitteln zubereitet und im Freien gemeinsam verzehrt. Feuer werden angezündet, über die die Menschen springen.

Yezidische Bräuche

Auch bei den kurdischen Yeziden wird am ersten Mittwoch im April das Fest "Cejna Çarşembê Serê Nisanê" gefeiert, an dem Gott dem Engel Taus (Melek Taus) den Auftrag gegeben hat, die Erde zu erschaffen und sie für die Lebewesen, Tiere, Menschen und Pflanzen, bewohnbar zu machen. Am ersten Mittwoch im April, dem Çarşembê sor (Roter Mittwoch), richten die Yeziden ihre Hauseingänge mit prächtigem Blumenschmuck her. Hühnereier werden bunt bemalt oder gefärbt, rot-gelb-weiß-grüne Bänder werden zusammengerollt und entweder als Armreifen oder als Haarschmuck getragen. Ebenfalls werden die bunten Bänder an Tierhörnern und an Getreidepflanzen befestigt. Der Himmelsbote Melek Taus, der an diesem Tag zur Erde geschickt wurde, wird damit um Beistand, Schutz und eine ertragreiche Ernte gebeten. Die Menschen befeuchten sich mit dem Morgentau, der sie verjüngen soll.

Der Monat April ist bei den yezidischen Kurden ein heiliger Monat. In diesem Monat darf kein Haus gebaut und keine Hochzeit gefeiert werden. Der Monat April wird im Kurdischen "Buke Salê" (Braut des Jahres) genannt.



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